Baustyropor / Styropormüll

Bild 1: Baudämmplatten mit HBCD werden separat gesammelt
Bild 2: Baudämmplatten in einer Entsorgungsanlage

Um Wärmeverluste bei Wohngebäuden zu verringern, wird seit Jahrzehnten Baustyropor als Wärmedämmung an den Außenfassaden angebracht, häufig auch staatlich gefördert.

Bei der energetischen Sanierung, alte Dämmplatten werden ab- bzw. neue angebaut, entstehen Styropor-Abfälle, deren Entsorgung seit dem 01.Oktober 2016 den Handwerksbetrieben und damit den Kunden Probleme verursacht haben.

Grund ist das in den Styroporplatten enthaltene Flammschutzmittel „HBCD“ [Hexabromcyclododecan].

Ursprünglich angedacht, mögliche Hausbrände einzudämmen, stellt HBCD nun nach der Abfallverzeichnisverordnung [AVV] einen gefährlichen Stoff dar.

War die Entsorgung der Dämmplatte vor dem 01. Oktober 2016 problemlos möglich, gilt seit diesem Datum ein erhöhter Aufwand, um HBCD-haltige Dämmstoffe nach dem Willen des Gesetzgebers [Umsetzung einer EU-Richtlinie in nationales Recht] ordnungsgemäß zu entsorgen.

Das wäre auch weiterhin nicht problematisch, dürfte dieser Stoff in herkömmlichen Abfallverbrennungsanlagen verbrannt werden. Da die Einstufung als Sondermüll gilt, dürfen nur noch genehmigte Anlagen diesen Abfall thermisch verwerten; neben der eingeschränkten Möglichkeit vieler Anlagen, den Styroporabfall, aufgrund der entstehenden Verbrennungs-Temperaturen, verarbeiten zu können.

In der Praxis werden diese Styroporabfälle mit anderen Baustellenabfällen vermischt, so dass herkömmliche Verbrennungsanlagen in der Lage sind, diese Abfallgemische ohne Gefahr von Überhitzungsschäden zu verarbeiten.

Mit der Einführung des neuen Gesetzes, werden diese Abfallgemische aus verschieden Baustellenabfällen zunächst unterbunden, so dass nur noch Monochargen entstanden, die für herkömmliche Verbrennungsanlagen nicht mehr geeignet sind.

Nach dem Marktprinzip sind zwei wesentliche Auswirkungen, die  die Preise in unrealistische Höhe getrieben haben, entstanden:

  • Anzahl der Kraftwerke ist begrenzt,
  • die vorhandene Entsorgungsnachfrage bleibt erhalten.

Aus diesen beiden Tatsachen sind Preise zwischen 1000 – 7000 €/to entstanden; viele Handwerksbetriebe haben zunächst die Sanierungsmaßnahmen, aufgrund unrealistischer Entsorgungspreise, eingestellt.

Das Umweltministerium gibt Entwarnung bei ordnungsgemäß verbauten Dämmplatten, so dass nicht die Gefahr besteht, HBCD über die Luft oder Hausstaub aufzunehmen, wobei sich auch hier langsam die Frage stellt, ob es nicht sinnvollere Alternativen gibt:

  • Holzspäne
  • Hanf
  • Zellulose
  • Mineralwolle
  • Mineralschaum
  • Schaumglas
  • Blähton

Aber wie so oft, entscheiden der Geldbeutel und die Lobby.

Das Recyceln HBCD-haltiger Styroporabfälle ist nicht möglich, so dass nur die Verbrennung als Entsorgungsweg offen bleibt; eine Deponierung ist aufgrund des Volumens ebenfalls ausgeschlossen im Vergleich zu asbesthaltigen Stoffen.

Lösung für 1 Jahr bis zum 01.01.2018

Aufgrund der Vielzahl an Beschwerden seitens der Handwerksbetriebe, sind nach dem Willen des Bundesrates, beginnend ab dem 01.01.2017, HBCD-haltige Dämmstoffabfälle für ein Jahr keine gefährlichen Abfälle mehr. Die Entsorgung kann nach dem Stand vor dem 01.10.2016 erfolgen.

Mit dieser Kompromisslösung, wird die Änderung in der Abfallverzeichnis-Verordnung bis zum 31.12.2017 ausgesetzt, HBCD-haltige Abfälle als gefährlichen Abfall zu deklarieren.

Ab dem 01.01.2018 sind  HBCD-haltige Abfälle nach der AVV wieder als gefährlich einzustufen.

In einem Jahr wird dieses beschlossene Moratorium zur Entsorgung HBCD-haltiger Abfälle wieder auf dem Prüfstand stehen; die Problematik ist damit nicht beseitigt, allenfalls temporär in die Zukunft verlagert.

Es muss allen Beteiligten klar sein, dass die Politik gefordert ist, eine einvernehmliche Lösung zu erarbeiten, wobei man sich die Frage stellt, ob in Angesicht eines Superwahljahres wirklich viel dabei herauskommt.

Es liegt an jedem Einzelnen, ein vernünftiges und  umweltfreundliches Verhalten an den Tag zu legen, um solche Problemstoffe, durch positive Alternativen, zu ersetzen.